11Nov 2018

Schonend heilen mit Bienenstockluft: Stark gegen Atemwegserkrankungen

Janina OttmaGesundes Wissen0

Sie summen und brummen – und machen sogar gesund: Mit der Bienenstockluft Therapie atmen Menschen, die oft schon jahrelang unter Atemwegserkrankungen leiden, endlich wieder frei durch. Imker Markus Gütlein lädt uns ein in das Bienenzentrum Rhön-Grabfeld im unterfränkischen Kurort Bad Königshofen. Hier erklärt uns der Bienenprofi, worauf es bei dieser besonderen Therapie ankommt und wie sie wirkt.

Leuchtend blühende Wiesen, scheinbar endlose Felder, dichte Wälder in sattem Grün: Hier in Unterfranken, am Rand der idyllischen kleinen Kurstadt Bad Königshofen, lebt Markus Gütlein. Schon seit 31 Jahren ist der Nordbayer stolzer Bienen-Besitzer. 1988 macht er sein Hobby zum Beruf – und baut seine kleine private Bienenzucht zu einem großen Stock aus. Mithilfe seiner „schwarz-gelben Helferlein“ produziert der Imker Blüten-, Raps oder Waldhonig – je nachdem, was gerade blüht und welche Pollen die Bienen sammeln. „Besonders das Summen der Bienen mag ich. Das ist so beruhigend“, sagt der erste Vorsitzende des regionalen Imkervereins. Er lächelt – und nimmt uns mit zum Bienenzentrum Rhön-Grabfeld.

Bienenstockluft: wem sie hilft

Denn heute geht es nicht um die gesunden Köstlichkeiten aus der Imkerei, sondern eine schonende Hilfe gegen Atemwegserkrankungen – die Bienenstockluft Therapie. Das Therapiezentrum hat der Imkerverein Bad Königshofen e.V. speziell für diesen Zweck eingerichtet. In leuchtendem „Bienengelb“ und – wie sollte es anders sein – mit großen aufgepinselten Bienen an der Außenfassade, sticht es deutlich zwischen den Bäumen hervor.
In dem vom EU-Förderprogramm LEAD finanziell unterstützen Zentrum, lindern seit Mitte 2017 von Atemwegserkrankungen betroffene Menschen ihre Beschwerden. Besonders nachhaltig wirkt die Bienenstockluft Therapie bei

  • Asthma und COPD
  • Bronchitis
  • Allergien wie Heuschnupfen
  • Pseudokrupp
  • häufigen Infektionen, zum Beispiel Erkältungen
  • chronischem Schnupfen
  • Nasen- und Nebenhöhlenentzündungen

Selbst Migränepatienten soll die Luft aus dem Bienenstock gegen Kopfschmerzattacken, Schwindel und Übelkeit helfen. Wir sind neugierig und wollen wissen: Wieso tut unseren Atemwegen die Luft aus dem Bienenstock eigentlich so gut?

Natürlich regenerieren: die besondere Luft im Bienenstock

Ein Alt-Tag„Das liegt daran, wie sich die Luft im Bienenstock zusammensetzt“, erklärt Gütlein und führt uns um das Gebäude herum. Hier, an der Außenwand, stehen die Bienenstöcke. Durch Öffnungen fliegen die Bienen ungestört aus dem Stock hinaus und hinein – in das Innere des Bienenzentrums kommen sie aber nicht, betont der Imker.

Wir bleiben in einigen Metern Abstand stehen. „Hören Sie mal hin!“, bittet uns Gütlein und legt den Zeigefinger an den Mund. Ein leises Summen erfüllt die Luft. „Mehr als 50.000 Bienen leben in jedem unserer Stöcke. Und gerade sind sie besonders fleißig – das ist immer zwischen Mai bis Ende September so. Denn dann liegen die Temperaturen meistens bei mehr als 18 °C – für die Bienen ist das ideal. In dieser Zeit bringen sie fast ohne Pause Harze, Pollen und Nektar von Blüten aus der Umgebung in den Stock. Wenn sie ständig herumschwirren und arbeiten, produzieren die Bienen aber nicht nur Honig“, sagt Gütlein und zeigt auf eine dunkelbraune, harzartige Masse an den Fluglöchern des Bienenstocks.

„Das ist Propolis“, erklärt er. „Die Bienen ‚streichen‘ das gesamte Innere des Bienenstocks damit und dichten jede noch so kleine Spalte oder Ritze ihres Zuhauses ab. Denn im Bienenstock ist es circa 35 °C warm und die Luftfeuchtigkeit ist hoch. In diesem Klima verbreiten sich Krankheiten schnell und können ein ganzes Bienenvolk gefährden. Mit Propolis sorgen die Bienen dafür, dass in den Stock keine unerwünschten Bakterien und Pilze eindringen.“

Auch Menschen profitieren vom natürlichen Harz des Bienenstocks. Denn Propolis

  • wirkt entzündungshemmend – Ihre von Abgasen oder aufgrund einer Allergie gereizten Atemwege entspannen sich.
  • stärkt die Abwehrkräfte – Ihr angeschlagenes Immunsystem regeneriert sich. Das merken Sie zum Beispiel daran, dass Sie sich seltener erkälten.
  • desensibilisiert. Die Bienenstockluft ist angereichert mit Pollen. Atmen von Heuschnupfen betroffene Menschen Pollen, die normalerweise ihre Allergie auslösen, in kleinen Mengen ein, bildet der Körper Abwehrzellen – und reagiert weniger stark allergisch.
  • soll oxidativen Stress abbauen. So stärken Sie Ihr Herz-Kreislauf-System und fühlen sich energiegeladen.

Dafür sorgen 50 verschiedene im „Bienenharz“ enthaltenen Substanzen. Das sind unter anderem ätherische Öle, Vitamine und Spurenelemente wie Kalzium, Magnesium und Eisen und – besonders wichtig: die Flavonoide.

Ein Alt-TagDiese Stoffe kommen in allen Teilen von Pflanzen vor – so auch im Pollen. Ihre Funktion: Sie schützen Blumen, Bäume und Gräser vor Viren, Pilzen und Bakterien. Auch lassen sie Blüten im Frühjahr und Sommer in leuchtenden Farben erstrahlen, von Blau über Orange bis Rot. Fast magisch vom bunten Farbspiel angezogen, tragen Bienen den Pollen zurück in den Stock – und damit auch die Flavonoide.
„Schlagen die Bienen dann mit den Flügeln, vermischen sich winzige Partikel von Pollen, Propolis, Harz, Honig und Wachs in der warmen, feuchten Luft des Bienenstocks. Diese wertvolle Luft nutzen wir für die Bienenstockluft Therapie“, sagt Gütlein und bittet uns mit einer Bewegung ins Innere des Bienenzentrums.

Bienenstockluft Therapie: sicher für Mensch und Biene

Kaum im freundlich mit bequemen Stühlen eingerichteten, holzvertäfelten Inneren angekommen, fügt er hinzu: „Natürlich sind die Bienen, während Sie hier drinnen die Bienenstockluft einatmen, sicher in ihrem Stock – und kommen nicht zu Ihnen hinein. Dafür sorgen wir bei jedem Patienten, der zu uns kommt, mit einem eigenen Set, so wie diesem hier“, sagt Gütlein und zeigt uns einen Schlauch, der mit einer Inhalationsmaske aus Plastik verbunden ist. Das ist das sogenannte Bienenstockluft Inhalationsgerät.

Ein Alt-Tag„Der Schlauch verbindet Sie mit den Bienen: Wir saugen ganz langsam etwas Luft aus dem Bienenstock ab und leiten sie über den Schlauch in Ihre Atemmaske. Von Ihrer Behandlung bekommen die Bienen also gar nichts mit. Wenn Sie ausatmen, lassen wir die verbrauchte Luft nach draußen ab. Denn wenn wir sie zurückleiten, stören Bakterien aus der Atemluft das empfindliche Gleichgewicht im Bienenstock – das Bienenvolk stirbt und das wollen wir natürlich nicht. Und auch Sie sind durch Sicherheitsventile gut geschützt – die Bienen kommen also auf keinen Fall zu Ihnen herein. Atmen Sie 30 Minuten lang einfach ganz ruhig ein und aus, lehnen sich zurück und entspannen Sie sich. Genießen Sie, wie beruhigend die Bienen im Hintergrund summen. Oder Sie hören etwas Musik. Wie viel Luft aus dem Bienenstock Sie einatmen, kontrollieren Sie übrigens ganz einfach selbst“, erklärt Gütlein, während er einen kleinen Regler an der Maske nach unten und oben schiebt.

„Nach einer halben Stunde ist Ihre Behandlung beendet. Gehen Sie nach draußen und atmen Sie tief durch: Sie spüren, dass Sie wieder leichter durchatmen. Ihre gereizten Atemwege schwellen ab – das merken Sie schon, nachdem Sie ein bis zwei Mal bei uns waren. Und auch Husten, Jucken und Kratzen im Hals lassen nach. Mindestens sechs Mal und bis zu 24 Mal sollten Sie zur Behandlung kommen – je nachdem, wie stark Ihre Beschwerden sind. Unsere Physiotherapeutin unterstützt Sie zusätzlich, wenn Sie es wünschen. Mit speziellen Atemübungen sorgt sie dafür, dass die Bienenstockluft Therapie besonders nachhaltig wirkt: Noch lange, nachdem Sie Ihren Gesundheitsurlaub bei uns in Bad Königshofen beendet haben, fühlen Sie sich gestärkt und atmen sorgenfrei.“
Er betont: „Sie müssen sich bei uns um nichts kümmern: Ihr Behandlungsset bewahren wir für Sie auf. Wir beschriften es und verwahren es, bis Sie uns das nächste Mal besuchen“, so Gütlein. „Die meisten Besucher kommen übrigens wieder ins Bienenzentrum – denn unsere Stockluft tut einfach gut!“, fügt er stolz hinzu.

Atemwege heilen mit Bienenstockluft: zwei wichtige Schritte

Auch dass es jedem Besucher während der Behandlung gut geht, ist Markus Gütlein wichtig. „Deshalb prüfen wir immer ganz genau, ob die Therapie mit Bienenstockluft zu Ihnen passt.“ Damit meint er, dass jeder, der die Bienenstockluft Therapie ausprobieren will, zwei wichtige Schritte gehen muss. So schließen die Mitarbeiter aus, dass Sie gegen Bienenprodukte wie Harze, Honig und Wachs allergisch sind. Der Hintergrund: Wenn Sie als Allergiker die mit Bienenprodukten angereicherte Luft einatmen,

  • schwellen Mund, das Innere Ihrer Nase und die Atemwege an,
  • spüren Sie, dass Ihre Haut juckt und sich rötet und
  • Ihnen wird schlecht und schwindelig.

Damit das nicht passiert, sichert sich das Bienenzentrum gleich zweifach ab.

Schritt eins: ärztliche Bescheinigung

Ihr Hausarzt oder ein Badearzt – zum Beispiel in der FrankenTherme – prüft, ob Sie eine Allergie haben. Das funktioniert zum Beispiel mit einem Bluttest oder einem Pricktest. Bei diesem ritzt ein speziell ausgebildeter Arzt Ihre Haut leicht ein und trägt den allergenen Stoff, zum Beispiel Pollen, auf. Schon nach kurzer Zeit sehen und spüren Sie, ob Sie allergisch sind. Denn bei einer Allergie bildet die Haut Quaddeln, rötet sich und juckt. Reagiert Ihr Körper nicht auf Pollen oder andere Bienenprodukte, stellt der Arzt Ihnen eine Bescheinigung aus. Diese bringen Sie mit ins Bienenzentrum.

Schritt zwei: Probetherapie

Hat Ihr Arzt sein Okay gegeben, steht Ihrer Behandlung mit Bienenstockluft (fast) nichts mehr im Weg. Denn bei einer „Schnuppertherapie“ atmen Sie zehn Minuten lang die wertvolle Bienenstockluft und schauen, wie Ihr Körper darauf reagiert. Spüren Sie in sich hinein: Fühlt sich die Behandlung unangenehm an oder husten Sie und spüren einen Juckreiz, ist sie für Sie nicht geeignet. Fühlt sich die Luft gut an, vereinbaren Sie im Anschluss direkt Ihren ersten Termin.

Bad Königshofen: gesund werden in schönster Natur

„Unsere Bienenstockluft Therapie rundet Ihren Gesundheitsurlaub in Bad Königshofen perfekt ab“, sagt Gütlein zum Abschied und lächelt. Damit hat er recht. Denn schließlich liegt Bad Königshofen mitten in den Naturparks Rhön und Thüringer Wald. Hier genießen Sie Stille und wandern durch unberührte Wälder. Sportliche erkunden die Umgebung mit dem Fahrrad. Buchen Sie jetzt Ihren Gesundheitsurlaub an der schönen fränkischen Saale!

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Janina Ottma

Janina Ottma

Janina Ottma kommt ursprünglich aus dem Nordwesten Deutschlands, dem Ruhrgebiet. Mittlerweile genießt sie die frische Münchner Luft, die aus den Alpen in die bayerische Landeshauptstadt weht. Bei einem ausgiebigen Spaziergang an der Isar oder beim Yoga kommt sie zur Ruhe. Achtsamkeit und Meditation in ihren eigenen Alltag zu integrieren, ist ihr wichtig. Damit ihre Kreativität weiterhin fließt und sie ihre positiven Erfahrungen rund um das Thema "Kraft tanken" weitergeben kann.

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