18Feb 2019

Parkinson-Therapie: Wie Betroffene während der Rehabilitation ihre Lebensqualität erhöhen

Julia BaakenGesundes Wissen0

Bayerischer Schäfflertanz, fernöstliches Tai Chi und Training mit der Xbox: In der Parkinson-Therapie geht Priv.-Doz. Dr. med. Tobias Wächter vom Neurologischen Zentrum für Bewegungsstörungen in Bad Gögging auch ungewöhnliche Wege. Damit lindert das PASSAUER WOLF Reha-Zentrum Bad Gögging die Beschwerden von Betroffenen sanft und erfolgreich. Ein Besuch in dem schönen Kur- und Urlaubsort.

Schon die Eingangshalle im PASSAUER WOLF Reha-Zentrum Bad Gögging ist ungewöhnlich: Eine Mooswand und ein Brunnen schmücken die großzügige, lichtdurchflutete Lobby. Die friedliche Atmosphäre entlockt mir einen Seufzer: Schön ist es hier! Die traumhafte Landschaft zwischen Hallertau und Altmühltal scheint sich noch im Gebäude fortzusetzen.

Doch ich habe nicht viel Zeit, den Neubau zu bewundern. Schon begrüßt mich Priv.-Doz. Dr. Tobias Wächter mit einem festen Handschlag und einem warmen Lächeln. Er leitet das Neurologische Zentrum für Bewegungsstörungen in Bad Gögging, das zur Klinikgruppe der PASSAUER WOLF Reha-Hotelkliniken gehört. Heute erklärt er mir, wie er Parkinson-Patienten mit bewährten und neuen Therapien das Leben erleichtert – Schritt für Schritt.

Parkinson: Symptome und Ursachen der Krankheit

„Parkinson entsteht, weil Zellen im Gehirn absterben, die den Neurotransmitter Dopamin herstellen. Dopamin aber brauchen wir, um unsere Bewegungen zu koordinieren“, erklärt mir Dr. Wächter bei einem köstlichen Stück Beerentorte im lichtdurchfluteten Restaurant der Klinik. Warum diese Zellen absterben, konnten Forscher bisher nicht abschließend klären. Nur in ganz seltenen Fällen – etwa nach Gewalteinwirkung, Gehirnentzündung oder Vergiftung ­­– kennen Mediziner die Parkinson-Ursachen.

Parkinson gehört laut der Deutschen Parkinson-Vereinigung zu den häufigsten Erkrankungen des Nervensystems – zwischen 150.000 und 300.000 Menschen sind in Deutschland betroffen. Dabei werden die Glieder der Patienten im Verlauf der Krankheit immer steifer und unbeweglicher. Sie stehen unsicher, gehen wackelig, bewegen sich langsam und stockend. Dazu kommt oft ein starkes Zittern der Hände. Auch die Mimik wird starr, die Stimme monoton und undeutlich.

„Heute wissen wir, dass schon Jahre zuvor Begleitsymptome auftreten. Das sind vor allem Riech- und Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit und Schmerzen in einer Schulter“, verrät mir Dr. Wächter.

Obwohl Parkinson nach wie vor eine fortschreitende und unheilbare Krankheit ist, schenkt die moderne Parkinson-Therapie den Patienten heute eine durchschnittliche Lebenserwartung. Die meisten Parkinson-Kranken können ein annähernd normales Leben führen und auch weiterhin in ihrem Beruf arbeiten. Dabei unterstützt sie die individuelle Behandlung, die die Ärzte über Jahre hinweg exakt an ihren Bedürfnissen ausrichten.

Neue Parkinson-Therapien für mehr Beweglichkeit

Inzwischen laufen wir über die hellen Gänge der Klinik. Vor einer Glastür bleiben wir stehen. Mir bietet sich ein überraschender Anblick: Eine Gruppe Parkinson-Patienten tanzt mit einem Therapeuten den Schäfflertanz! Dieser traditionelle Tanz entstand vor rund 500 Jahren in München und ist für viele Bayern identitätsstiftend. „Das ist für die Patienten sehr gewinnbringend, weil sie hier fließende, große Bewegungen üben. Das gibt es nur in unserer Klinik“, verrät mir Dr. Wächter.


Die Aufenthaltsbereiche der Klinik sind großzügig und hell. (c) Freund GmbH, Fotograf Andreas Schwarz

Solche unkonventionellen Parkinson-Therapien sind typisch für das Neurologische Zentrum für Bewegungsstörungen in Bad Gögging: Neben den wissenschaftlich fundierten Methoden ist es Dr. Tobias Wächter wichtig, „auch Ansätze zu testen, die noch nicht so etabliert sind.“ Diese werden in internationalen Studien untersucht, an denen die Klinik teilnimmt. Der lokale Bezug – Beispiel Schäfflertanz – ist kein Zufall: „PASSAUER WOLF ist ein mittelständisches und von Inhaber-Familien getragenes Unternehmen, das in Bayern verankert ist. Wir machen Medizin aus der Region für die Region“, so Dr. Wächter.

Statt auf Medikamente allein, setzt das Zentrum auf Austausch und Zusammenarbeit der Disziplinen. Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Sporttherapie, physikalische Therapie, Psychotherapie und Sozialberatung werden hier kombiniert. „In all diesen Bereichen haben wir spezielle Therapien, die wissenschaftlich fundiert sind und sich speziell bei Parkinson eignen“, berichtet der Experte.

Da ist etwa das Lee Silverman Voice Treatment. Bei diesem Verfahren lernen die Erkrankten, wieder laut und deutlich zu sprechen. Bei der BIG-Methode üben die Betroffenen große, schnelle Bewegungen, um ihre Beweglichkeit möglichst lange zu erhalten. „Wir haben auch eine Tai-Chi-Gruppe. Es gibt Studien, die belegen, dass diese asiatische Kampfkunst zur Koordination und Standstabilität beiträgt“, so Dr. Wächter. Jeder Gast bekommt zu Beginn der Behandlung seinen individuellen Therapieplan. „Bei dem einen Patienten liegt der Schwerpunkt auf dem Sprechen, beim nächsten auf dem Gehen.“

Eine weitere Therapie, die das Zentrum derzeit in Kooperation mit dem Fraunhofer Institut FOCUS entwickelt, ist „Meine-Reha®“. Hier lernen die Teilnehmer, mit Hilfe der Spielekonsole Xbox vor dem Monitor bestimmte Bewegungen zu machen. Der Bildschirm gibt ihnen ein unmittelbares Feedback – wie bei einem Computerspiel. „Das macht den Patienten sehr viel Freude“, beobachtet Dr. Wächter, „gerade die Älteren sind davon völlig begeistert. Es ist eine Erleichterung, wenn man sich mal selbst korrigieren kann. Unser Ziel ist es, dass die Teilnehmer auf diese Art bald ihren Therapeuten mit nach Hause nehmen.“

Parkinson-Reha im PASSAUER WOLF Bad Gögging: Wohlfühlatmosphäre wie im Hotel

Mich interessiert, wie die Patienten hier in Bad Gögging untergebracht sind. Ich darf einen Blick in die geräumigen Einzel- und Doppelzimmer der PASSAUER WOLF Hotelklinik Bad Gögging werfen: warme Holztöne, weiche Teppichböden, bequeme Betten. Nahezu jedes hat einen Balkon, von dem der Blick weit über den angrenzenden Park und in die idyllische bayerische Landschaft streift. Im Herbst 2019 eröffnet ein Neubau, der auch die Kapazitäten für die Behandlung von Parkinson-Patienten erweitert: die PASSAUER WOLF Fachklinik Bad Gögging.


Einmalig im PASSAUER WOLF Bad Gögging: Traditioneller Schäfflertanz als Teil der Parkinson-Therapie – im Sommer auch draußen (c) PASSAUER WOLF

Das Reha-Zentrum Bad Gögging zählt laut FOCUS Gesundheit zu den besten Reha-Kliniken Deutschlands. Sicher liegt das auch an den herzlichen Servicekräften: Ob im Restaurant oder auf den Gängen, überall begegnen mir freundliche, hilfsbereite Mitarbeiter. Ich fühle mich tatsächlich wie in einem gehobenen Hotel. Über einen unterirdischen Bademantelgang gelangen die Klinik-Gäste in die Limestherme mit ihren verschiedenen Schwimm- und Heilwasserbecken.

Vielfältige Therapien und Wohlfühlatmosphäre – informieren Sie sich im Gesundheitsfinder über Parkinson-Reha-Kuren in Bad Gögging.

Doch eines ist noch wichtiger als der beste Service: Die Parkinson-Reha in Bad Gögging zeigt überraschend deutliche und schnelle Erfolge. Dies bestätigen Patienten genauso wie die zuweisenden Ärzte und unabhängige Studien. Was ist das Erfolgsrezept von Dr. Wächter und seinem Team? „Wir arbeiten sehr interdisziplinär – und wir sehen den Patienten als Teil vom Team. Es ist uns wichtig, dass er selbstbestimmt entscheidet, was sein Ziel ist und wie er dorthin gelangen will. Wir arbeiten effektiv und achten auf einen hohen medizinischen Standard.“

Effektiv und individuell: Parkinson-Therapie mit Herz

Im Schnitt verbringen die Parkinson-Patienten 14 Tage in der Akutklinik. Wenn danach noch eine intensivere nicht-medikamentöse Behandlung notwendig ist, folgt eine drei-bis sechswöchige Rehabilitation. Sind sie mobil genug, erkunden sie in ihrer Freizeit selbständig die herrliche Landschaft.

„Die Donau ist wunderschön und es gibt hier unglaubliche Radwanderwege“ schwärmt Dr. Wächter, der aus München stammt. Die Spezialitäten der Region – von Spargel bis Hopfen – landen auch schon mal in der Küche der Klinik. Dass es den Gästen gut mundet, habe ich schon im Restaurant an den Nachbartischen beobachtet.

Dazu passt auch Dr. Wächters persönliches Motto: „Medizin muss nicht bitter schmecken“, findet der Chefarzt der Neurologie. Er hat an großen Parkinsonzentren gelernt, in Marburg, Tübingen und sogar im amerikanischen Minnesota. „Was mir an meinen Beruf Spaß macht, ist, dass es bei der Parkinson-Therapie auf die individuelle Einstellung ankommt.

Das funktioniert nur in enger Kooperation zwischen Patienten und Team. Dafür muss ich die Lebensgeschichte des Menschen und seine Ziele und Wünsche im Leben verstehen.“ Diese echte, individuelle Zuwendung spüren die Patienten in Bad Gögging jeden Tag. Und möglicherweise ist das das Geheimnis von Dr. Wächters Erfolg.

Naturmoor, Schwefelquellen und Thermalwasser – erfahren Sie mehr über die natürlichen Heilmittel des Kurorts Bad Gögging!

Kommentar verfassen

Julia Baaken

Julia Baaken

Seit zehn Jahren lebt die gebürtige Berlinerin Julia Baaken im schönen Münchner Umland. Am liebsten entspannt sich die zweifache Mutter im bayerischen Voralpenland mit seinen herrlichen Wäldern, Seen und Bergen. In der idyllischen Natur findet sie einen Ausgleich zu ihrem oft turbulenten Alltag: Eine Familienwanderung mit anschließendem Bad im See und einer gemütlichen Einkehr im Wirtshaus – das ist für unsere Autorin das pure Glück.

alle 12 Artikel des Autoren lesen

Ähnliche Blogartikel im Überblick

Hier finden Sie weitere passende Blogartikel

Leben mit Depressionen – für Millionen Menschen in Deutschland Realität. Darüber zu sprechen, fällt schwer. Doch mit Blick auf die Alpen und in der Stille der Natur, schöpfen viele Betroffene neue Kraft. Wie hier – am Korndorfer Bänkle in der Nähe von Bad Grönenbach im Unterallgäu., © Karl Forster

Stress lass nach Teil 3: Leben mit Depressionen – eine Betroffene erzählt

21.2.2019 0
mehr erfahren
Im Jod-Schwefelbad Bad Wiessee am Tegernsee baden Sie sich gesund., © AlexF76 - Fotolia

Jod-Schwefelbad Bad Wiessee: der „Jungbrunnen“ am Tegernsee

19.9.2018 1
mehr erfahren
Ein schönes Glas Wein gehört zum Essen einfach mit dazu – oder besser doch nicht?, © Pixabay - Pexels

Entgiften Sie Ihren Körper: Schluss mit Alkohol, Zigaretten & Co.

23.5.2018 1
mehr erfahren
Zum Seitenanfang