11Nov 2018

Mit Kälte gegen Rheuma: In der Kältekammer Gelenkschmerzen lindern

Janina OttmaGesundes Wissen0

Bibbern, frieren, schlottern – was für die einen eine Qual ist, hilft vielen Rheuma-Patienten bei ihren Beschwerden: klirrende Kälte. Denn vielen Betroffenen verschafft Kälte Linderung. Sie setzen sich freiwillig Temperaturen von minus 110 °C aus – und lindern so langfristig ihre Beschwerden. Wie eine Behandlung in der Kältekammer funktioniert und für wen sie geeignet ist, lesen Sie hier.

Rheuma – das sind die Symptome

Rheuma ist nicht gleich Rheuma! Unter den sogenannten „rheumatischen Formenkreis“ fallen mehr als 100 verschiedene Erkrankungen. Sie alle entstehen durch Entzündungen von Knochen, Knorpeln und Gelenken, können genauso aber auch Bänder, Sehnen und Muskeln betreffen. Die häufigste rheumatische Krankheit in Deutschland ist die rheumatoide Arthritis – eine Abwehrreaktion des Immunsystems, durch die sich die Innenhaut von Gelenken, Sehnenscheiden und Schleimbeuteln entzündet. Im Jahr 2015 waren laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) 550.000 Menschen in Deutschland davon betroffen.

Menschen mit rheumatoider Arthritis zeigen folgende Symptome:

  • Frühstadium: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Fieber
  • weiterer Verlauf: geschwollene, gerötete und/oder steife Hand-, Schulter, Knie- oder Fußgelenke, besonders am Morgen
  • Endstadium: verformte Gelenke, eingeschränkte Beweglichkeit, starke Schmerzen in den Gelenken, besonders nachts

Unter Rheuma leiden übrigens nicht nur Erwachsene. Auch schätzungsweise 20.000 Kinder und Jugendliche sind laut Angaben der DGRh betroffen.

Rheumabehandlung: kalt oder warm?

Genauso einzigartig wie die Patienten, die an Rheuma erkranken, ist auch deren Behandlung. Denn: Was dem einen hilft, lindert eventuell nicht die Symptome des anderen. Neben einer Ernährungsumstellung, Physiotherapie und durch Schmerzmittel, behandeln sie Rheuma zusätzlich entweder mit Wärme oder mit Kälte.

Rheuma mit Wärme behandeln

Einige Rheumatiker spüren, wie die Gelenke mithilfe von Wärme wieder beweglicher werden. Ihnen helfen warme Wickel oder sie greifen zur Heizdecke. Auch Packungen, bei denen das natürliche Heilmittel Moor auf bis zu 50 °C erhitzt und auf die betroffenen schmerzenden Gelenke aufgetragen wird, lindern ihre Beschwerden.

Rheuma-Patienten, die gut auf Wärme ansprechen, empfiehlt Ulrike Berthold, Therapieleiterin im Kurzentrum Weißenstadt am See, zudem Radon-Bäder. Über einen Zeitraum von zehn Tagen angewendet, reduziert das Edelgas Radon die akut-entzündlichen Gelenkschmerzen – und das für vier bis sechs Monate.

Gelenkschmerzen mit Kälte lindern

Andere Rheuma-Patienten fühlen, dass sich ihre Beschwerden durch Kälteanwendungen reduzieren. Sie legen beispielsweise Kühlpackungen auf die betroffenen Gelenke auf. Auch Moorpackungen mit vier bis zehn Grad kaltem Moor sind wohltuend bei Gelenkentzündungen. Denn es kühlt die Gelenke und wirkt entzündungshemmend. Moorkneten hilft besonders, wenn die Fingergelenke geschwollen sind, denn durch das abgekühlte Moor klingen Schwellungen ab. Zusätzlich kommt für die Patienten eine Behandlung in der Kältekammer in Frage – eine besondere Form der Kältetherapie.

Kältekammer-Anwendung: nur mit ärztlicher Betreuung

Bevor Ihnen als Rheuma-Patient Kältekammer-Anwendungen verordnet werden, sprechen Sie in jedem Fall zuerst mit ihrem Hausarzt oder einem Rheumatologen – einem Facharzt, der auf die verschiedenen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen spezialisiert ist. Die Ärzte messen mit einem EKG unter anderem Ihren Herzrhythmus und finden so heraus, ob die Behandlung in der Kältekammer für Sie geeignet ist.

Zusätzlich nehmen sie Ihre individuelle Krankengeschichte auf und finden so heraus, ob Ihnen die Kältetherapie hilft. In Kurorten, die Kältekammer-Behandlungen anbieten – wie Weißenstadt oder Bad Steben – unterstützen Sie die entsprechenden Ärzte direkt vor Ort.

Wenn Sie an einer oder mehrerer dieser Vorerkrankungen leiden, sollten Sie von dem Besuch einer Kältekammer absehen:

  • Bluthochdruck, Schlaganfall oder Herzinfarkt:
  • Kälteallergie: Reagieren Sie auf Kälte mit juckendem, roten Ausschlag, ist die Kältebehandlung nicht für Sie geeignet.
  • Platzangst: Eine Kältekammer ist eng – Menschen, die an Klaustrophobie leiden, halten das womöglich nur schwer aus.

Bevor Sie die Kältekammer betreten, kontrolliert ein Arzt noch einmal Ihren Blutdruck. Der Grenzwert liegt bei 170 zu 85. Überschreitet er diesen Wert, müssen Sie warten, bis er auf einen Normalwert von 120 zu 80 sinkt. Denn die klirrende Kälte, der Sie bei der Behandlung ausgesetzt sind, erhöht den Blutdruck noch weiter – das Risiko für Herz-Kreislauf-Schäden steigt.

Besuch in der Kältekammer: So funktioniert’s

Bevor die Behandlung startet, ziehen Sie Badekleidung an. Außerdem tragen Sie feste Schuhe, ein Stirnband und Handschuhe, damit Ihre Extremitäten nicht zu stark auskühlen. Besonders wichtig ist es, dass Ihre Haut vor der Behandlung ganz trocken ist. Denn sonst kann es zu Erfrierungen kommen. Zusätzlich sollten Sie nach der Kältetherapie auf wärmende Anwendungen wie Sauna oder Fango für mindestens drei Stunden verzichten. So wirkt die Behandlung länger.

Ab durch die Schleuse!

Bevor Sie in der eigentlichen Kältekammer ankommen, gehen Sie durch zwei Schleusen. Der Grund: So gewöhnt sich Ihr Körper langsam an die sinkenden Temperaturen und bekommt keinen Kälteschock. Außerdem geben Sie Ihre Körperwärme an die Umgebung ab und heizen die Kammer so schnell um zehn bis 15 °C auf. Durch das Schleusensystem braucht es also weniger Energie, um die Temperatur in der Kammer konstant zu halten – das ist energiesparender als die Temperatur technisch herunter zu regeln.

Von minus 10 …

Im Kurzentrum Weißenstadt am See – wo bereits vor zehn Jahren eine Kältekammer installiert wurde – funktioniert das Schleusen-System folgendermaßen, berichtet Ulrike Berthold: „Zuerst kommen die Patienten in eine Kammer mit einer Temperatur von minus 10 °C. Die Türen werden hinter den Patienten geschlossen und sie gehen direkt weiter in die zweite Schleuse – eine Kältekammer mit minus 60 °C. Hier bleiben sie für etwa zehn bis 20 Sekunden stehen. So hat die Haut Zeit, sich an die Kälte zu gewöhnen. Außerdem reduziert sich eventuelle Feuchtigkeit, die die Patienten von außen mit hereinbringen.

… auf minus 110 °C

Erst dann geht der Patient weiter in die letzte Kammer, die eine Temperatur von minus 110 °C aufweist. Hier bleibt er maximal drei Minuten, bewegt sich langsam durch den Raum und atmet ruhig. Maximal drei Menschen benutzen die Kammer gleichzeitig. Über ein Fenster ist ein Therapeut die ganze Zeit mit Ihnen in Kontakt, sagt die Zeit an und motiviert – ganz nach dem Motto: ‚Jetzt ist schon eine Minute geschafft – dranbleiben!‘.

… und zurück!

Wenn ein Patient die Kälte nicht mehr aushält, darf er die Behandlung natürlich jederzeit abbrechen. Am Ende geht es auf dem gleichen Weg zurück: Erst durch die Minus-60-Grad-, dann durch die Minus-10-Grad-Kammer und schließlich kommt der Patient wieder im Warmen an.“

Kältetherapie: langfristig wirksam

Nach der Behandlung durchströmt Ihren Körper ein angenehm warmes Gefühl. Denn sobald er wieder in seiner gewohnten Umgebungstemperatur von 21 bis 22 °C ist, wird er stärker durchblutet und heizt sich deshalb schnell wieder auf. Viele Menschen berichten, dass sich ihre rheumatischen Beschwerden direkt reduzieren.

Therapie-Leiterin Berthold hierzu: „Die Behandlung fängt direkt an zu wirken. Die extreme Kälte senkt das Schmerzempfinden – die Patienten bewegen sich entspannter als vorher. Einige können sogar ihre Schmerzmittel reduzieren. Besonders langfristig wirksam ist die Behandlung aber, wenn sie wiederholt durchgeführt wird. Ab zehn Anwendungen spüren Sie einen deutlichen Unterschied – und reduzieren Ihre Beschwerden für bis zu sechs Monate.“

Kommentar verfassen

Janina Ottma

Janina Ottma

Janina Ottma kommt ursprünglich aus dem Nordwesten Deutschlands, dem Ruhrgebiet. Mittlerweile genießt sie die frische Münchner Luft, die aus den Alpen in die bayerische Landeshauptstadt weht. Bei einem ausgiebigen Spaziergang an der Isar oder beim Yoga kommt sie zur Ruhe. Achtsamkeit und Meditation in ihren eigenen Alltag zu integrieren, ist ihr wichtig. Damit ihre Kreativität weiterhin fließt und sie ihre positiven Erfahrungen rund um das Thema "Kraft tanken" weitergeben kann.

alle 37 Artikel des Autoren lesen

Ähnliche Blogartikel im Überblick

Hier finden Sie weitere passende Blogartikel

Egal, ob Qi Gong, Yoga oder Pilates – mit Sport und Bewegung Rückenschmerzen vorbeugen., (c) www.gesundes-bayern.de

Gesundheitsrisiko Sitzen: Viel bewegen und so Rückenschmerzen vorbeugen

16.7.2019 0
mehr erfahren
Osteoporose vorbeugen: Krafttraining macht Ihre Knochen wieder stark., ©  www.gesundes-bayern.de

Osteoporose: Knochen nachhaltig stärken – mit Ernährung, Sport und Heilwasser

5.7.2019 0
mehr erfahren
Bei einer Fibromyalgie-Therapie unterstützen Spezialisten Sie dabei, Schmerzen zu lindern. Damit Bewegung wieder möglich ist., © Kur- & GästeService Bad Füssing - Moritz Attenberger

Fibromyalgie: Schmerzen gezielt linden

13.6.2019 0
mehr erfahren
Seite zurück Zum Seitenanfang