13Mai 2020

Interview: Waldbaden stärkt Körper, Geist und Seele

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Elke Seidel ist Gesundheitscoach und Waldbademeisterin in Bad Alexandersbad im Naturpark Fichtelgebirge. Ihre Tipps, wie der Wald uns helfen kann, stark und gesund durch Krisenzeiten wie der jetzigen zu kommen:

Frau Seidel, Sie arbeiten unter anderem als Waldbademeisterin in Bad Alexandersbad – welche Wirkung hat denn der Wald auf uns Menschen?

Elke Seidel, Waldbademeisterin in Bad Alexandersbad, kennt sich mit der Wirkung des Waldes aus. Elke Seidel, Waldbademeisterin in Bad Alexandersbad, kennt sich mit der Wirkung des Waldes aus. (c) Elke Seidel, Bad Alexandersbad

Eine sehr entspannende und beruhigende Wirkung. Beim Waldbaden baut der Mensch Stress ab, das ist mittlerweile auch wissenschaftlich erwiesen. Der Wald ist für mich vor allem ein Ort der Ruhe und des Innehaltens – sehr wichtig gerade auch in einer Krisenzeit wie der jetzigen. Der Aufenthalt dort hat aber noch viele andere positive Effekte: Durch die natürliche Formenvielfalt finden wir Ablenkung und Anregung. Die Phantasie wird angeregt, Wahrnehmungsfähigkeit und Aufmerksamkeit werden gefördert.

„Man kommt sich mal wieder ein Stück näher“

Der Wald weckt bei den meisten von uns positive Gefühle – etwa der Dankbarkeit, der Verbundenheit und Geborgenheit. Man kommt sich mal wieder ein Stück näher. Das Grün, die Ästhetik des Waldes können uns resilienter machen. Spaziergänge im Wald tun zudem ganz direkt der körperlichen Gesundheit gut: Herz, Kreislauf und Muskulatur werden gestärkt und nachweislich schlafen wir auch besser, wenn wir tagsüber im Wald unterwegs waren. Auch nicht unwichtig während der Corona-Pandemie: Die Bewegung im Wald tut auch unserem Immunsystem gut.

Was erleben Gäste beim Waldbaden mit Ihnen?

Wir sind dann in einer kleinen Gruppe drei Stunden lang in der Natur rund um Bad Alexandersbad unterwegs. Dort machen wir aber nicht nur Entspannungsübungen. Es geht vielmehr darum, den Wald als Partner für Achtsamkeit, Entschleunigung und Sinneswahrnehmung zu entdecken. Wir gehen bewusst sehr langsam, machen Lockerungs- und Achtsamkeitsübungen und eine Gehmeditation, teilweise sind wir dabei auch schweigend unterwegs. Dieses Angebot ist Bestandteil des von mir mitkonzipierten Programmsmein GesundheitsCoaching im ALEXBAD, bei dem Gesundheitsurlauber fünf Tage lang Impulse für eine Stärkung ihrer Gesundheit im Alltag bekommen – durch Bewegungsprogramme, Ernährungsberatung und Einheiten zur Verbesserung der mentalen Stärke. Bad Alexandersbad liegt im Naturpark Fichtelgebirge inmitten von Wäldern und Wiesen. Wir sind daher prädestiniert für Gesundheitsangebote in der Natur.

Was empfehlen Sie jetzt für die Krise?

Radeln in der Natur tut dem Körper gut und sorgt für Entspannung. Radeln in der Natur tut dem Körper gut und sorgt für Entspannung. (c) www.bayern.by – Gregor Lengler

Ich finde es wichtig, dass man sich nach Möglichkeit jeden Tag Zeit nimmt und rausgeht in die Natur. Das bringt Entspannung und kostet nichts. Gehen Sie radeln, joggen, spazieren, jetzt, wo andere Sportarten nur bedingt möglich sind. Viele von uns haben gerade die Zeit dazu – und sollten sie sich auch nehmen. Ein gesunder Lebensstil trägt ja insgesamt dazu bei, dass man gut durch solch eine Krise kommt. Meint Rat: Ernähren Sie sich ausgewogen, bewegen Sie sich viel, verschaffen Sie sich Entspannungsmomente.

Gibt es Übungen aus dem Waldbaden, die Menschen jetzt auch für sich draußen in der Natur machen können?

Ja, natürlich, hier sind ein paar Tipps und Anregungen:

  • eine Gehmeditation machen – dabei 20 Minuten ganz bewusst sehr, sehr langsam gehen, auf die eigenen Schritte und den Atem achten – und mit allen Sinnen die Natur um einen herum wahrnehmen
  • sich einen Gegenstand auswählen, der draußen in der Natur am Boden liegt. Ihn in die Hand nehmen, betrachten, befühlen und beschnuppern. Wie hört sich der Gegenstand an, wenn man darüber streicht?
  • sich an einen Baum lehnen, die Augen schließen und genau hören und spüren, was um einen herum passiert. Was hörst du über dir? Was passiert am Boden? Wie fühlen sich deine Füße auf dem Waldboden an?
  • wenn man mit dem Partner oder den Kindern im Wald ist, dann gibt es auch eine schöne Übung zu Zweit: Einer führt den anderen an der Hand oder untergehakt durch die Natur – und der schließt dabei die Augen. Wie fühlt sich das an? Was nimmt man wahr?
  • mal wieder ein Buch zu lesen – das geht auch sehr gut im Rahmen des Waldbadens

Wie erleben Sie die Krise, was macht das Coronavirus mit den Menschen?

Seuchen und Pandemien sind natürlich erst einmal etwas Schreckliches, das darf man nicht verharmlosen. Aber sie waren schon immer auch Zeiten der Veränderungen. Wir scheuen uns vor Veränderungen, kommen aber im Moment gar nicht drumherum: Der berufliche und private Lebensbereich verändert sich für fast alle derzeit spürbar. Neben der anfänglichen Angst und Verunsicherung, neben wirtschaftlichen Existenzängsten entwickelt sich dabei aber auch eine Menge: Ich zum Beispiel arbeite jetzt von zu Hause. Das schien früher unmöglich, jetzt ist es plötzlich kein Thema mehr. Ich lerne also, für mich ein neues Zeitmanagement zu entwickeln, genieße das noch selbstbestimmtere Arbeiten.

Das Beste daraus machen

Ein weiterer Punkt ist, dass die Digitalisierung derzeit rasant ausgebaut und eingesetzt wird. Das ist okay, aber ich glaube, es ist wichtig, trotzdem einen bewussten Medienkonsum zu wählen, sich nicht ständig mit Nachrichten berieseln zu lassen. Ich rate jedem, bewusst auszuwählen, wann man sich informiert und wie man sich informiert.

Ich glaube auch, dass Corona die Flexibilität und Kreativität jedes Einzelnen fördern kann – wenn man das für sich zulässt. Viele haben im Moment die Zeit, Themen zu vertiefen, sich neuen zu widmen. Wertschätzung und Anerkennung zu üben, auch sich selbst gegenüber. Sich bewusst zu werden, was man tut und was man gut kann. Gleichzeitig lernen wir, Verzicht zu üben, Einschränkungen zu akzeptieren, Geduld zu haben – etwa wenn wir vor einem Supermarkt warten müssen, bis wir hineindürfen.

Hören Sie in sich hinein!

Diese Entschleunigung bietet ja auch die Chance, den Fokus stärker auf das Wesentliche zu richten. Man hat weniger Ablenkung, weniger Termine. Ich finde, es lohnt sich, sich jetzt auch ab und zu die Zeit für wichtige Fragen zu nehmen:

  • Was sind meine Prioritäten?
  • Wo möchte ich Ballast abwerfen?
  • Welche Dinge haben sich angesammelt, die ich gar nicht brauche – im wörtlichen und im übertragenen Sinn?
  • Was habe ich für weitere Ziele oder Wünsche?
  • Was bewegt mich im Moment?

All diesen Fragen kann man sich übrigens auch wieder besonders gut bei einem Spaziergang in der Natur oder im Wald widmen.

Wie geht es Ihnen beim Waldbaden?

Beim Waldbaden lässt sich die Hektik und der Stress des Alltags vergessen. Beim Waldbaden lässt sich die Hektik und der Stress des Alltags vergessen. (c) bayern.by – Peter von Felbert

Seit Kindesbeinen bin ich draußen, und meistens im Wald. Dort trete ich heraus aus der Hektik, aus dem Lärm, der ständigen Ablenkung. Ich könnte meinen Job nicht machen, wenn ich das nicht auch so leben würde. Ich möchte mich und andere auch weiterhin für die Themen Gesundheit und Wald inspirieren und motivieren. Bad Alexandersbad liegt inmitten großartiger Natur – das kleinste Heilbad Bayerns ist für mich deshalb ein Kraftort, der viel Energie und Ruhe ausstrahlt. Es ist für mich wichtig, mit der Natur im Einklang zu sein.

Mehr Infos zum Angebot „mein GesundeitsCoaching im ALEXBAD“

Weitere Infos zum Thema Waldbaden:

Waldbaden in Bayern

Heilkraft der Natur im Naturpark Ammergauer Alpen

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