30Mai 2017

Interview: Torfstecher in Bad Aibling

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Früher schon als „schwarzes Gold“ bezeichnet, macht Moor auch heute noch seinem Namen alle Ehre. Die mineralstoffreiche Ressource bietet allerlei Vorteile zur Gesundheitsförderung, beispielsweise bei Schmerzen, denen Erkrankungen des Bewegungsapparates oder Osteoporose zugrunde liegen. Schon über mehrere Generationen hinweg baut Familie Panradl die natürliche Ressource mit ihren wertvollen Mineralien ab, um sie in Form von vielen verschiedenen Produkten zur Gesundheitsförderung anzubieten. Die Geschäftsführerin Angelika Panradl hat uns erklärt, wie der Torfabbau vonstattengeht und wie das Moor für die Gesundheit genutzt werden kann.

Frau Panradl, wie läuft der Torfabbau ab?

Zuerst nehmen wir mit dem Bagger den Abraum ab und legen ihn zur Seite. Das ist die oberste ungefähr 30 Zentimeter dicke Schicht, die nicht zum Baden verwendet werden kann. Danach wird Schicht für Schicht abgegraben. Die Schichten sind wellenartig gelagert und einige enthalten zum Beispiel Sand, Lehm oder große Steine. Diese Schichten werden auch mit dem Bagger zur Seite geschafft. Der Torf, der zum Baden verwendet wird, kann auch noch Wurzeln enthalten. Ein Mitarbeiter sortiert die in Handarbeit an der Schaufel aus, weil das die Mooraufbereitungsanlagen in den Kliniken nicht verarbeiten können. Wir legen uns dann direkt am Stich Vorratshaufen an. Das machen wir einmal in der Woche und beliefern von diesen Vorratshaufen unsere Kunden.

Wie viele Kliniken beliefern Sie?

In Bad Aibling sind von 16 nur noch drei Häuser übriggeblieben. Wir vertreiben mittlerweile auch eigene Moorprodukte zur Anwendung zu Hause. Der Gedanke dahinter war immer: Der Kunde kam früher nicht ans Moor, er hat es nur im Rahmen der Kur in der Klinik bekommen. Jetzt hat jeder darauf Zugriff. Zum Beispiel über unser Moorkissen.

Hat das Torfstechen in ihrer Region eigentlich Tradition?

Ja, auf Fälle. Hier ist ganz lange Brenntorf zum Heizen abgebaut worden. Da hat man diese Torfkastel gestochen, sie aufgerichtet und zum Trocknen hat man sie mehrmals umgeschichtet. Das war ein günstigerer Brennstoff als Holz. Der Brenntorf brennt auch nicht so wie Holz, er glimmt ganz leicht vor sich hin, wenn man erstmal eingeheizt hat.

Hat sich der Beruf sehr gewandelt?

Ja, früher haben sie noch Gleise ins Moor verlegt und sind da mit einer kleinen Eisenbahn reingefahren. Da waren Kipploren angehängt, die wurden beladen und dann ging es zurück. Das war eine ganz schwere Arbeit. Heute ist es leichter mit dem Bagger.

Kann ich das Moor ganz normal in meiner Badewanne verwenden und abfließen lassen? Und ist das dickbreiige Moor mit dem in der Klinik vergleichbar?

Ja, die Moorfaser ist da auf 1,5 Millimeter geschnitten, das ist für Ihren Abfluss ganz unbedenklich. Das dickbreiige Moor ist ähnlich wie das Moor in Kliniken. Das Moor wird dafür auf 1,5 Zentimeter geschnitten. Es hat eine pastenähnliche Konsistenz und ist streichfähig. Man kann es kalt oder warm für Gelenkwickel verwenden oder für eine Knet-Therapie. Auch eine Rückenpackung ist mit etwas Übung gut machbar.

Uns liegt es einfach am Herzen, dass dieses alte Naturheilmittel nicht in Vergessenheit gerät. Heute muss vieles schnell gehen, man wirft eine Tablette ein und soll wieder funktionieren. Es gibt aber so viele Naturheilmittel, die ganz ohne Nebenwirkungen helfen.

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