20Jan 2019

Interview: Betriebliches Gesundheitsmanagement – so profitieren Sie

Janina OttmaGesundes Wissen0

Ein Korb voll mit knackig-frischem Obst, ein ergonomischer Bürostuhl, ein angenehmes Klima im Team: Wenn Dinge wie diese stimmen, gehen die meisten Menschen gerne zur Arbeit – und bleiben, auch wenn es einmal stressig wird, gesund. Mit Dr. med. Ulrike Stefanowski, Expertin für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM), sprechen wir über die „großen kleinen Dinge“, die dafür sorgen, dass Sie sich rundum wohl bei der Arbeit fühlen – für Ihre langfristige Gesundheit!


In ihrer Zeit am Neurologischen Universitäts-Klinikum in München hat Dr. Ulrike Stefanowski bemerkt, dass viele Erkrankungen erst gar nicht chronisch werden müssen – wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter mit Betrieblichem Gesundheitsmanagement gezielt unterstützen.
(c) Bayerischer Heilbäder-Verband e.V./Andreas Jacob

Dr. Stefanowski, schön, dass Sie Zeit für ein Gespräch mit uns haben! Erklären Sie uns einmal in Ihren eigenen Worten, was genau eigentlich hinter dem Begriff „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ steckt?

Dr. med. Ulrike Stefanowski: Betriebliches Gesundheitsmanagement umfasst alle Dinge, die dafür sorgen, dass Sie langfristig gesund arbeiten. Denn darum geht es beim BGM: Es stärkt sogenannte „gesundheitsfördernde Elemente“. Gleichzeitig vermindert es die Dinge, die Ihnen auf Dauer bei der Arbeit nicht guttun und Ihre Gesundheit schädigen. Wo genau Unternehmen etwas mehr für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun könnten, ist aber immer unterschiedlich. Da komme ich als unabhängige Beraterin ins Spiel: Bei einer Bestandsaufnahme stelle ich fest, an welchen Stellschrauben im Unternehmen gedreht werden muss, damit Ihre Arbeit Sie nicht krank macht.

Was tut denn den meisten Menschen am Arbeitsplatz gut?

Dr. med. Stefanowski: Das sind zum Beispiel ein gutes Teamklima, die Möglichkeit mit dem Fahrrad zu kommen, kostenloser Tee oder Kaffee, ein Korb mit knackigen Äpfeln, an dem Sie sich frei bedienen können … Viele unterschiedliche, oft kleine Sachen sind wichtig, damit es Ihnen langfristig gut geht. In Summe sorgen diese Dinge dafür, dass Sie sich bei der Arbeit rundum wohlfühlen. Und wenn es so ist, bleiben Sie gesund – davon profitieren Sie selbst, aber auch Ihr Arbeitgeber.

Kaffee, Bürostuhl, Führungsstil: die Summe macht‘s

Und was macht viele Menschen am Arbeitsplatz krank?

Dr. med. Stefanowski: Die meisten Mitarbeiter können aufgrund von Muskel- und Skeletterkrankungen wie Rückenschmerzen nicht arbeiten. Das liegt zum Beispiel daran, weil sie zu viel und zu unbewegt sitzen, zum Beispiel auf Stühlen, die nicht an ihren Körper angepasst sind. Deshalb ist die Rückengesundheit beim BGM ganz wichtig.

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Trotzdem sind in 80 Prozent der Fälle Rückenschmerzen nur ein Symptom. In Wirklichkeit macht die Mitarbeiter nämlich etwas anderes krank: andauernder Stress am Arbeitsplatz.

Spielt deshalb Stressprophylaxe im BGM so eine große Rolle?

 Dr. med. Stefanowski: Genau. Stress spielt eine große Rolle, wenn es darum geht, langfristig gesund zu bleiben: Stehen Sie andauernd unter Strom, macht das langfristig krank – Burn-out oder Depressionen können im schlimmsten Fall die Folge sein. Auch wenn Sie „innerlich gekündigt“ haben, beeinflusst das, wie gut es Ihnen und dem gesamten Team geht.

Dieses Phänomen heißt „Präsentismus“: Sie sind zwar anwesend, sitzen aber nur noch ihre Zeit auf der Arbeit ab und sind unproduktiv. Das wirkt sich auf das ganze Team aus: Die Stimmung verschlechtert sich – die Arbeit macht keinen Spaß mehr, auch Ihre Kollegen erkranken. Laut Statistik haben ganze 20 bis 30 Prozent aller Mitarbeiter innerlich gekündigt.

BGM und BGF: Das ist der Unterschied

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) beschreibt alle Dinge, die dafür sorgen, dass Sie langfristig gesund arbeiten. Dazu gehört unter anderem eine Bestandsaufnahme. Hierbei stellt ein unabhängiger Berater fest, an welchen Stellschrauben im Unternehmen gedreht werden muss.

Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ist ein Teil vom BGM. Mit BGF unterstützt Sie Ihr Arbeitgeber gezielt. Zum Beispiel durch ergonomische Bürostühle, die Rückenschmerzen reduzieren, eine Rückenschule oder einen Obstkorb, der Ihnen die nötigen Vitamine liefert, damit Sie produktiv und motiviert arbeiten. Auch ein gesunder Führungsstil ist Teil der BGF.

Wie wichtig ist der Führungsstil des Chefs, damit alle im Team langfristig motiviert und gesund bei der Arbeit bleiben?

Dr. med. Stefanowski: Ein „gesunder Führungsstil“ ist sehr wichtig, damit Sie sich bei der Arbeit motiviert und wohl fühlen. Kommunikation auf Augenhöhe, offen sein für Fragen, Aufgaben klar definieren, Anzeichen von Überlastungen im Team erkennen und verringern – das macht einen gesunden Führungsstil aus.

Ulrike Stefanowski: „Verbiegen Sie sich nicht – und kennen Sie Ihre Stärken!“

Was passiert, wenn ich als Mitarbeiter kurz „vor dem Aus“, einem Burn-out, stehe und ganz dringend eine Auszeit brauche? Unterstützt mich mein Vorgesetzter in diesem Fall im Rahmen vom BGM?

Dr. med. Stefanowski: Sprechen Sie Ihren Vorgesetzen auf jeden Fall darauf an, wenn Sie einen Gesundheitsurlaub oder eine Präventions- oder Rehabilitationskur planen – meistens zahlt es sich nämlich aus. Denn in einigen Fällen übernimmt das Unternehmen die Kosten der Gesundheitsmaßnahmen vor Ort oder gewährt Ihnen einen zusätzlichen Urlaubstag.

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Viele Gesundheitsprogramme in den bayerischen Heilbädern und Kurorten sind von der Zentralen Prüfstelle für Prävention zertifiziert – in diesem Fall unterstützt Sie Ihre Krankenkasse und übernimmt bis zu 80 Prozent der Kosten für Ihren Gesundheitsurlaub. Bevor Sie ein Angebot buchen, rufen Sie einfach bei Ihrer Krankenkasse an. Fragen Sie nach, welchen Anteil der Kosten sie genau übernimmt, und lassen Sie sich alle Ausgaben während Ihres Gesundheitsurlaubs oder Ihrer Kur in Bayern belegen. Am Ende bekommen Sie Geld zurück.

Was kann ich als Mitarbeiter im Rahmen von Betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) tun?

Dr. med. Stefanowski: Als Mitarbeiter bekommen Sie meistens nur einen kleinen Teil vom BGM mit: die BGF. Das sind konkrete Dinge, die Ihre Gesundheit am Arbeitsplatz stärken. Im Rahmen von BGF nehmen Sie zum Beispiel an einem Seminar oder Workshop zur Stressbewältigungstraining teil.

Hier lernen Sie sich selbst kennen und bekommen ganz konkrete Tipps, die Ihre Belastung im Arbeitsalltag verringern. Stellen Sie sich einmal vor, Sie sind ein sehr perfektionistischer Mitarbeiter. Dann kann es zum Beispiel sehr helfen, wenn Sie Aufgaben von „wichtig“ nach „unwichtig“ sortieren. So arbeiten Sie effizient, erledigen alle Aufgaben in der vorgegebenen Zeit und überfordern sich nicht selbst.

BGM will Sie aber nicht umkrempeln. Sie sollen schließlich immer noch „Sie selbst“ sein, sich nicht verbiegen und sich rundum wohlfühlen. Nur wenn Sie sich selbst und Ihre persönlichen Ressourcen kennen und diese auch „anzapfen“, geht es Ihnen am Arbeitsplatz langfristig gut.

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Janina Ottma

Janina Ottma

Janina Ottma kommt ursprünglich aus dem Nordwesten Deutschlands, dem Ruhrgebiet. Mittlerweile genießt sie die frische Münchner Luft, die aus den Alpen in die bayerische Landeshauptstadt weht. Bei einem ausgiebigen Spaziergang an der Isar oder beim Yoga kommt sie zur Ruhe. Achtsamkeit und Meditation in ihren eigenen Alltag zu integrieren, ist ihr wichtig. Damit ihre Kreativität weiterhin fließt und sie ihre positiven Erfahrungen rund um das Thema "Kraft tanken" weitergeben kann.

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