12Sep 2018

Heilstollen in Bayern: Atmen Sie sich frei!

Julia BaakenGesundes Wissen0

Gönnen Sie sich eine Atempause — im wahrsten Sinne des Wortes! Denn in den bayerischen Kurorten verbinden Sie Ihren Gesundheitsurlaub mit einer Höhlentherapie. Hier regenerieren sich Ihre Lungen schonend und nachhaltig. Wir verraten Ihnen, warum das Klima in den Heilstollen in Bayern gestressten Lungen einfach guttut. Lesen Sie hier, wo Sie unter Tage entspannen.

Stellen Sie sich vor: Sie liegen bequem in einem Liegestuhl. Nur schummriges Licht und leise Tropfgeräusche dringen an Ihre Sinne. Sie atmen tief ein. Ihre Lunge dehnt sich aus. Sauerstoffreiche Luft strömt von den feinen Verästlungen der Bronchien bis in die Lungenbläschen. Die Luft ist einmalig rein und frisch. Kein Stäubchen, das einen Hustenanfall oder Atemnot auslösen könnte, keine Allergene, Sporen oder Abgase. Ihr Herz schlägt ganz gleichmäßig. Mit jedem Atemzug gleiten Sie tiefer in einen traumähnlichen Zustand vollkommener Entspannung.

Sie denken, einen solchen Ort gibt es nur in den unbesiedelten Weiten Sibiriens oder Kanadas? Falsch! Solche Orte zum Durchatmen finden Sie mitten in Bayern — im Herzen der Erde, in Höhlen und Bergwerksstollen. Denn hier herrscht ein ganz besonderes Klima: Es ist konstant kühl und die relative Luftfeuchtigkeit liegt bei fast 100 Prozent. Das heißt, dass die Luft maximal mit Wasserdampf gesättigt ist. Deshalb binden die feuchten Steinwände der Höhle Staubpartikel und Sporen.

Dadurch ist die Luft frei von allem, was Ihre Atemwege reizt oder belastet. Das Ergebnis: Ein Klima, das sogar reiner ist als die Luft im Meer oder Hochgebirge. Und dass Menschen darum zur Therapie von Atemwegsbeschwerden nutzen. Drei ganz besondere Therapiestationen unter Tage stellen wir Ihnen hier vor.

Der Heilstollen in der Teufelshöhle Pottenstein

Zwei Kilometer vom idyllischen Pottenstein in der Fränkischen Schweiz entfernt liegt die berühmte Teufelshöhle Pottenstein. Mit ihren prächtigen Stalagmiten und Stalaktiten gilt die natürliche Karsthöhle als Touristenmagnet. Doch von Trubel ist in der Therapiestation in einem Seitenstollen der Höhle nichts zu spüren: Hier atmen Sie bei 9 °C und herrlicher Ruhe reine, feuchte Höhlenluft.

Sie möchten spontan ausprobieren, ob Ihnen die Heilstollentherapie zusagt? Dann buchen Sie auch kurzfristig eine „Schnupperkur“ von drei bis fünf Tagen. Dabei verbringen Sie täglich zwei Stunden unter Tage. In dieser Zeit liegen Sie bequem im Liegestuhl und konzentrieren sich ganz auf Ihren Atem. Wollen Sie mehr als zehn Tage im Stollen relaxen, lassen Sie sich vorab bitte von einem Arzt untersuchen, der Ihnen Ihre Kurtauglichkeit bescheinigt. Denn für Menschen mit Platzangst, schweren Herzerkrankungen oder Asthma, das sich bei Kälte verschlimmert, ist eine Heilstollentherapie ungeeignet.

Heilstollen in Bayern: Atemtherapie in alten Bergwerken

Jahrhundertelang wurde im Silberberg in Bodenmais Edelmetall und Erz abgebaut — bis 1962. Heute finden Sie hier tief im Schoß der Erde einen Therapiestollen. Bei 5 °C und über 90 Prozent Luftfeuchtigkeit herrscht dort ein sogenanntes Reinstluftklima. Das heißt: Die Luft ist absolut pollen- und allergenfrei. Von Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Bronchitis Betroffene atmen hier auf.

Neugierig geworden? Für eine Stollentherapie im Herzen des Silberbergs wenden Sie sich an die Silberbergklinik.

In den unterirdischen Stollen der Alten Saline in Bad Reichenhall steigen Sie zum Ursprung der natürlichen Bad Reichenhaller AlpenSole hinab. Statt wie bei der klassischen Heilstollen-Therapie im Liegestuhl zu entspannen, wandern Sie hier durch die unterirdischen Gänge. Dabei führen Sie leichte Turnübungen aus – angeleitet von einer erfahrenen Physiotherapeutin.

Die Späleotherapie — eine zufällige Entdeckung

Wie das Klima in einer Höhle bei Atembeschwerden heilen hilft, entdeckten die Einwohner des Städtchens Ennepetal im Ruhrgebiet zufällig während des zweiten Weltkrieges. Während der Bombenangriffe suchten sie in der Kluterhöhle Schutz. Unter den Menschen, die hier unfreiwillig ausharrten, waren auch einige Asthmatiker.

Bald bemerkten sie, dass sie seltener an Atemnot litten und mehr Luft bekamen. Dies hat sich herumgesprochen. Und so besuchen seit den 50er-Jahren immer mehr Patienten die Höhle für eine Asthma-Kur. Dr. Karl-Hermann Spannagel fand einen Namen für das Phänomen: Die Heilstollen-Therapie, auch Klima-, Höhlen- oder Späleotherapie (vom lateinischen „spelaeum“ = Höhle) genannt, war geboren. Sie ist eine völlig natürliche Therapie, die zudem frei von Nebenwirkungen ist.

Eine Heilstollen-Therapie hilft nachweislich bei einer Reihe von Atemwegserkrankungen. Dazu gehören:

  • Asthma bronchiale
  • Chronische Bronchitis
  • Heuschnupfen
  • Pseudo-Krupp
  • Keuchhusten
  • Entzündungen der Nasennebenhöhlen
  • Allergien

Wissenschaftlich bewiesen: die Heilstollen-Therapie hilft

Dass die Speläotherapie nachhaltig wirkt, belegten Wissenschaftler der Universität Ulm 2002 anhand einer Studie. Sie hatten eine Gruppe von 133 chronisch kranken Kindern untersucht, die unter Asthma bronchiale litten. Ein Teil der Kinder verbrachte über drei Wochen hinweg täglich zwei Stunden in einer Höhle. Bei diesen Kindern erhöhte sich die Menge der Luft, die durch die Lungen strömt, während gleichzeitig die Zahl der Hustenattacken zurückging.

Der Grund hierfür: Beim Einatmen wird die kühle, feuchte Luft auf Körpertemperatur erwärmt. Dabei sinkt die relative Luftfeuchtigkeit der eingeatmeten Luft auf nur etwa 20 Prozent. Diese nun trockene Luft kann viel Wasser binden. Das Wasser entzieht die Atemluft den geschwollenen Schleimhäuten der Atemwege. Dadurch geht die Schwellung zurück und mehr Luft strömt durch die Atemwege.

Entspannten, meditieren, entgiften — Heilstollen für Gesunde

Selbst wenn Sie ganz gesund sind, nützt ein Aufenthalt in einem Heilstollen in Bayern. Etwa, weil Sie sich das Rauchen abgewöhnen. Oder sind Sie gestresst, weil jeden Tag unzählige Reize und Informationen auf Sie einprasseln? Dann entspannen Sie doch statt am überfüllten Badestrand mal unter Tage! Viele Gäste schwärmen noch lange von diesem besonderen Erlebnis, bei dem sich das Gefühl für Zeit auflöst.

Die wenigen Sinneseindrücke in der Höhle helfen Ihnen dabei, sich selbst besser wahrzunehmen. Verbinden Sie den Aufenthalt mit einer Meditation oder Entspannungsübung und lassen Sie Ihre Stress- und Angstgefühle einfach bei Mutter Erde zurück.

Übrigens: Die Krankenkassen akzeptieren die Klimatherapie als anerkannte Therapieform und erstatten die Kosten im Rahmen einer Bäderkur. Sinnvoll ist ein Aufenthalt zwei Stunden täglich über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen.

Sie brauchen eine Atempause für Ihre gestressten Lungen oder Nerven? Dann schauen Sie sich doch mal in unserem Gesundheitsfinder um — hier warten tolle Angebote über und unter Tage auf Sie!

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Julia Baaken

Julia Baaken

Seit zehn Jahren lebt die gebürtige Berlinerin Julia Baaken im schönen Münchner Umland. Am liebsten entspannt sich die zweifache Mutter im bayerischen Voralpenland mit seinen herrlichen Wäldern, Seen und Bergen. In der idyllischen Natur findet sie einen Ausgleich zu ihrem oft turbulenten Alltag: Eine Familienwanderung mit anschließendem Bad im See und einer gemütlichen Einkehr im Wirtshaus – das ist für unsere Autorin das pure Glück.

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