26Jun 2018

Gesunde Bräune: So schützen Sie Ihre Haut vor Sonnenbrand

Flora Anna GrassGesundes Wissen0

Sommer, Sonne, gute Laune – endlich macht draußen Sein wieder so richtig Spaß! An der frischen Luft kitzeln warme Sonnenstrahlen auf Ihrer Haut. Ihr Körper tankt Vitamin D und schüttet Glückshormone aus. Sie fühlen sich toll – bis zur bösen Überraschung wenige Stunden später: Sie haben einen schmerzhaften Sonnenbrand. Was Ihnen jetzt wirklich hilft, weiß Dr. Werner Gudat. Im Interview verrät der Hautarzt und Leiter der Silberbergklinik im Heilklimakurort Bodenmais, wie Sie die Sonne geschützt genießen und sich gesund bräunen. Und räumt dabei mit so manchem Mythos auf.

Am Rande des Nationalparks Bayerischer Wald, mit Blick auf die schönen Gipfel des Großen Arber und saftig-grüne Wälder, empfängt Dr. Werner Gudat seine Patienten. Seit 1992 ist er Leiter der Silberberg Klinik in Bodenmais. Mit seinem Team aus Psychologen, Physiotherapeuten, Ernährungsberatern, Sportlehrern und anderen Experten behandelt er Hautkrankheiten wie Schuppenflechte, Neurodermitis oder andere entzündliche Hautkrankheiten. Für alle Sonnenanbeter hat er unverzichtbare Tipps. Denn der Dermatologe weiß aus seiner Praxis, wie gut Sonnenlicht der Haut tut – aber auch, wie schädlich es langfristig sein kann.

Herr Dr. Gudat, warum bekommen so viele Menschen im Frühling einen Sonnenbrand?

Dr. Werner Gudat: Ganz einfach: Sie wollen so schnell wie möglich braun werden – um gesund, erholt und fit auszusehen. Dabei passen viele nicht auf und schon haben sie einen Sonnenbrand. Deshalb verwenden Sie bitte immer einen Sonnenschutz, wenn Sie sich länger draußen aufhalten, so hoch wie möglich. Vor allem nach dem Winter, wenn Ihre Haut noch nicht an die Sonne gewöhnt ist. Die gute Nachricht: Auch mit Sonnencreme werden Sie braun, nachhaltig und gesund. Das gilt allerdings nicht für alle Hauttypen: Rotblonde Typen – auch irische Typen genannt – werden einfach nicht braun. Egal, wie sehr sie es versuchen.

Was passiert mit der Haut beim Sonnenbrand?

Dr. Gudat: Wenn Sie Ihre Haut zu lange intensiver Sonnenstrahlung aussetzen, verbrennt sie. Und dann ist es auch schon zu spät: Sie haben einen Sonnenbrand – in der Fachsprache Dermatitis Solaris genannt. Er löst eine Entzündungsreaktion aus: Ihre Haut wird verstärkt durchblutet und mit Botenstoffen sowie Zellen aus Ihrem Immunsystem versorgt. So versucht Ihr Körper, die Schäden in Ihren Hautzellen zu reparieren. Drei bis 24 Stunden nach dem Sonnenbaden rötet sich Ihre Haut, sie schwillt an und tut weh. Bei heftigeren Verbrennungen bilden sich sogar Blasen.

Wenn es dann in die Sonne geht: Kann ich noch die Sonnenmilch vom Vorjahr verwenden?

Dr. Gudat: Theoretisch: ja. Denken Sie aber daran, dass der Lichtschutzfaktor nicht mehr so hoch ist, wenn Sie die Sonnencreme schon angebrochen haben. Im Schnitt 50 Prozent weniger nach einem Jahr, lautet die Faustregel. Das gilt auch, wenn Sie die Sonnencreme gut verschlossen haben. Der Grund: Sauerstoff oxidiert mit den Wirkstoffen in der Creme und der Lichtschutzfaktor baut sich ab. Hatte Ihre Sonnencreme im vergangenen Jahr einen Schutz von 30, liegt er nur noch bei 15 bis 20.

Habe ich neben Sonnencreme noch andere Möglichkeiten, meine Haut zu schützen?

Dr. Gudat: Ja, mit der richtigen Kleidung. Sie schirmt Ihre Haut effektiv vor schädlicher UV-Strahlung ab. Leichte Baumwolle, Seide und dicht gewebte Mikrofaser schützen Ihre Haut. Eine Bluse mit langen Ärmeln ist zum Beispiel perfekt. Und wenn sie weit und luftig sitzt, dann schwitzen Sie auch nicht. So machen es übrigens auch die Beduinen in der Wüste – und die kennen sich mit Sonne aus (lacht).

Woher weiß ich, welcher Lichtschutzfaktor für mich der richtige ist?

Dr. Gudat: Grundsätzlich rate ich allen Patienten, egal welcher Hauttyp sie sind: Fangen Sie mit einem hohen Lichtschutzfaktor von 30 an. So werden Sie zwar langsamer, aber auch hautschonender braun. Verwenden Sie dabei gerne günstige Produkte aus dem Discounter, die per se nicht schlecht sind. Das zeigen immer wieder die Ergebnisse von Sonnencreme-Tests. Wenn Sie zum rotblonden Hauttyp gehören oder Ihre Haut bereits lichtgeschädigt ist, greifen Sie zu einem höheren Lichtschutzfaktor von 50.

Sollten Kinder prinzipiell einen hohen Lichtschutzfaktor verwenden – auch wenn die Sonne nicht so stark ist?

Dr. Gudat: Unbedingt, denn die kindliche Haut reagiert noch empfindlicher als die von Erwachsenen auf Sonnenlicht – und verbrennt schneller. Deshalb passen Sie bitte extra gut auf.

Ab sofort gehen wir also alle im Sommer nur noch mit Sonnenschutz aus dem Haus?

Dr. Gudat: Das wäre ideal. Klar, wenn Sie schon gebräunt sind und morgens eine Dreiviertelstunde mit Ihrem Hund spazieren gehen, ist das auch ohne Sonnenschutz in Ordnung. Die Betonung liegt aber auf ‚wenn sie bereits gebräunt sind‘. Denn dann hat Ihre Haut Melanin aufgebaut – eine natürliche Schutzbarriere gegen die Sonne.
Sie funktioniert so: In der Zellschicht Ihrer Haut leben Melanozyten. Das sind Pigment-produzierende Zellen. Sie bilden den Farbstoff Melanin, der Ihre Haut braun färbt. Zellen, die mit Melanin angereichert sind, nehmen UV-Strahlen auf und verhindern so, dass sie tief in Ihre Hautzellen eindringen und sie schädigen.
Aber: Sobald Sie in wärmere Länder fahren, zum Beispiel Ägypten, ist hoher Sonnenschutz absolute Pflicht. Für rotblonde Hauttypen sowieso und immer – egal, wo sie sich aufhalten.

„Sonnenbrand ist Gift für Ihre Haut!“

Kann schon ein einziger Sonnenbrand Hautkrebs verursachen?

Dr. Gudat: Das ist ein Mythos. Ein Sonnenbrand passiert, vor allem, wenn Sie nicht alle Stellen beim Eincremen erreicht haben. Und das ist leichter gesagt als getan: Studien mit verschiedenen Teilnehmern, die sich komplett eincremen sollten, haben gezeigt: Alle haben es nie geschafft, Ihre Haut wirklich 100 Prozent einzucremen. Wenn Sie also mal einen Sonnenbrand kleinflächig haben, macht das nichts. Ihre DNA repariert die Schäden in Ihrer Haut.

Gefährlich wird es allerdings, wenn Sie immer wieder einen Sonnenbrand haben – zum Beispiel ein- bis zweimal im Jahr. Das ist Gift für Ihre Haut und kann dann zu Langzeitschäden führen. Der Grund: Die UV-Strahlung zerstört Teile Ihres Erbguts (DNA) in Ihren Hautzellen. Schaffen es Ihre eigenen Reparatursysteme nicht mehr, diese Fehler in Ihrer DNA zu beheben, entstehen Mutationen. Sie bewirken, dass Ihre Zellen unkontrolliert wachsen – es kommt zu Hautkrebs.

Und genau das ist das Gemeine an Sonnenbränden: Auch, wenn sie verheilt sind und Sie keine Schmerzen mehr haben, können Langzeitfolgen zurückbleiben. Denken Sie deshalb immer in Jahrzehnten. Wenn Sie Ihre Haut heute mit zu viel Sonne überstrapazieren, dann büßen Sie das in 30 Jahren oder mehr.

Es ist passiert: Ich habe einen Sonnenbrand. Was kann ich jetzt tun, um Rötungen und Schmerzen zu lindern?

Dr. Gudat: Diese kleine Checkliste befolgen (lacht):

  1. Gehen Sie bitte sofort aus der Sonne und schützen Sie Ihre Haut durch Kleidung.
  2. Kühlen Sie die betroffenen Stellen – zum Beispiel mit einem Coldpack. So lindern Sie den Schmerz.
  3. Reagieren Sie schnell und tragen Sie eine cortisonhaltige Körpermilch auf – etwa für ein bis zwei Tage. Sie wirkt entzündungshemmend.
  4. Auch Ibuprofen-Tabletten helfen Ihnen bei einem Sonnenbrand, denn auch sie sind entzündungshemmend. Sie bekommen Sie ohne Rezept in der Apotheke.

Damit regulieren Sie den akuten, schlimmen Schaden bei einem Sonnenbrand.
Übrigens: Auch Après Lotionen kühlen Ihre Haut und beruhigen sie, wirken aber deutlich schwächer als cortisonhaltige Cremes. Was Hausmittel wie Quark-Wickel, Tiroler Nussöl, Aloe Vera oder – ganz verrückt – Papaya-Milch angeht: Wenn Sie damit gute Erfahrungen gemacht haben und es Ihnen hilft, verwenden Sie es sehr gerne.

Gibt es Medikamente, die vor Sonnenbrand schützen?

Dr. Gudat: Manche Menschen schwören auf Selbstbräuner-Tabletten, aber davon rate ich ab. Sie färben Ihre Haut nur, weil sie eine chemische Reaktion auslösen. Eine natürliche Schutzschicht bildet sich nicht. Abgesehen davon, dass die Bräune sehr ‚karottig‘ aussieht, sind sie also reine Chemie. Und das ist auf Dauer nicht gesund.

Wo ist die UV-Strahlung besonders hoch – und was muss ich zum Beispiel bei einem Kuraufenthalt in den Alpen besonders beachten?

Dr. Gudat: Dazu gibt es eine einfache Grundregel: Je höher Sie kommen, desto intensiver ist die UV-Strahlung – und umso mehr sollten Sie sich gegen die Sonne schützen. Wenn Sie also auf der Alpen-Zugspitze kraxeln und die Natur genießen, passen Sie noch besser auf sich auf als auf dem flachen Land. Das gilt übrigens nicht nur im Sommer: Viele vergessen, sich beim Ski-Fahren einzucremen. Dabei ist das im Hochgebirge besonders wichtig.

Demnächst geht es hier auf dem Blog um das Thema Sonnenallergie. Was ist das eigentlich?

Dr. Gudat: Bei einer Sonnenallergie reagiert Ihre Haut heftig, wenn sie plötzlich eine zu hohe Dosis Sonnenstrahlen abbekommt. Zum Beispiel beim ersten Spaziergang in der Frühlingssonne nach dem Winter oder Ihrem Urlaub in warmen Ländern. Dann bilden sich juckende Rötungen oder Bläschen – von klein bis hin zu groß und wässrig. Mit Sonnenbrand hat das nichts zu tun.
Wie sich die Haut verändert, ist bei jedem Menschen unterschiedlich. In der Medizin wird der Begriff deshalb polymorphe Lichtdermatose genannt: Sonnenekzem. Die gute Nachricht: Sie können Sonnenallergie gezielt vorbeugen und sich dagegen schützen. Aber das verraten Sie sicher bald hier auf dem Blog.

Erleben Sie die Sonne und beste medizinische Betreuung – geschützt und gesund in den bayerischen Kurorten und Heilbädern. Ob Kur, Reha oder Prävention: Entdecken Sie in unserem Gesundheitsfinder Angebote, die perfekt auf Ihre Beschwerden zugeschnitten sind. Damit Sie den Sommer unbeschwert genießen!

Kommentar verfassen

Flora Anna Grass

Flora Anna Grass

Flora Anna Grass wächst an der Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg auf – und damit mittendrin im Dialekt-Mischmasch. Sie liebt ihre Heimat – die Menschen, die wunderbaren Landschaften und die leckere, regionale Küche. Dabei ist ihr Name Programm: Sie genießt es, in der Natur unterwegs zu sein und beim Wandern immer neue Flecken zu entdecken. Außerdem isst sie für ihr Leben gern – am liebsten frisch, authentisch, gesund und auf keinen Fall langweilig. Deshalb zieht es sie auch immer wieder auf Reisen in die weite Welt, um noch mehr kulinarische Freuden zu entdecken.

alle 13 Artikel des Autoren lesen

Ähnliche Blogartikel im Überblick

Hier finden Sie weitere passende Blogartikel

Ein Resilienz-Training hilft Ihnen dabei, auch in schwierigen Zeiten optimistisch zu bleiben., © www.bayern.by-Jan-Greune

Resilienz-Training in Bad Kissingen: Die Seele nachhaltig stärken

5.4.2019 0
mehr erfahren
In Bad Staffelstein genießen Allergiker ihren Urlaub frei von Beschwerden. Der Gesundes-Bayern-Pollenflugkalender 2019 hilft bei der Planung., © Kur & Tourismus Service Bad Staffelstein

Achtung, sie fliegen wieder: Der Gesundes-Bayern-Pollenflugkalender 2019

28.2.2019 0
mehr erfahren
Betriebliches Gesundheitsmanagement bedeutet auch: Zeit für Ihre Gesundheit. In den bayrischen Kurorten und Heilbädern reduzieren Sie Stress, Rücken- und weitere Beschwerden nachhaltig., (c) www.gesundes-bayern.de

Interview: Betriebliches Gesundheitsmanagement – so profitieren Sie

18.1.2019 0
mehr erfahren
Zum Seitenanfang