26Jun 2018

Die Kraft der Berge: Heilklima gegen Atemwegserkrankungen

Dr. AlexGesundes Wissen3

Sport machen, mit den Kindern toben oder einfach nur tief durchatmen – all diese Dinge sind für Menschen mit Atemwegserkrankungen nicht selbstverständlich. Wenn Asthmatiker sich anstrengen und nach Luft schnappen, spüren sie, wie die Bronchien enger werden und sich verkrampfen. Sie bekommen schlechter Luft. Hier lesen Sie, wie gut das Heilklima in den bayerischen Kurorten Ihren Lungen tut. Damit Sie Ihren Alltag ganz ohne Atemnot genießen.

Was ist Asthma und wie geht es den Betroffenen damit? 

Laut Daten des Robert Koch Instituts waren im letzten Jahr 6,2 % aller Erwachsenen in Deutschland von Asthma bronchiale betroffen. Doch nicht nur viele Erwachsene trifft die Erkrankung: Zwischen sieben und zehn Prozent aller Kinder in Deutschland leiden an anfallsweiser Atemnot, Angst, eventuell zu ersticken, und Schmerzen im Brustkorb.

Bei dieser Krankheit verengen sich die Bronchien – also die Luftwege, da sich die Schleimhaut verkrampft oder anschwillt. Die Folge: Das Ein- und Ausatmen wird viel schwieriger als bei normaler Atmung. Die Betroffenen schnappen nach Luft, es gelangt aber nicht genug in die Lungen.

Wir Mediziner unterscheiden zwischen vier verschiedenen Schweregraden:

  • Akutes Asthma: Dies ist die in Deutschland verbreitetste Form. Sie tritt anfallsweise und selten auf.
  • Leicht-chronisches Asthma: Maximal zwei Mal pro Monat kommt es zu einem Asthmaanfall.
  • Mittelgradiges Asthma: Die Betroffenen leiden fast täglich unter Anfällen, seltener nachts.
  • Chronisches Asthma: Atemnot begleitet Menschen, die an schwerem Asthma leiden, jeden Tag. Auch in der Nacht werden sie von Anfällen geplagt.

Asthma bronchiale – das sind die Ursachen

Allergien

Die meisten Asthmatiker sind gleichzeitig Allergiker. Oft werden die Allergien von den Eltern vererbt: Sind beide Eltern zum Beispiel gegen Pollen und Gräser allergisch, liegt die Chance bei ganzen 60 %, selbst an Allergien zu erkranken. Auch starke Neurodermitis – also wenn die Haut sich entzündet – kann ein Warnzeichen sein. Viele Betroffene erkranken später an Asthma.

Nicht allergisches Asthma

Nicht allergisches Asthma tritt meistens bei Menschen ab 40 Jahren und aufgrund von Infektionen auf – zum Beispiel bei einer Nasennebenhöhlenentzündung  oder wegen Feinstaubbelastungen. Auch eine Medikamentenunverträglichkeit kann Asthma auslösen, zum Beispiel gegen die in Aspirin enthaltene Acetylsalicylsäure.

Das hilft gegen Atemwegserkrankungen

Das Wichtigste bei einem akuten Asthmaanfall ist, die verkrampften Atemwege zu lockern. Aus diesem Grund verschreiben Ärzte Asthmatikern inhalierbare, krampflösende Medikamente in Form von cortisonhaltigen Asthmasprays, sogenannte „Bronchodilatatoren“. Sie lösen den Bronchienkrampf und der Patient kann wieder frei durchatmen.

Beim allergischen Asthma wird der Patient desensibilisiert. Dabei wird der allergieauslösende Stoff in immer höheren Dosen injiziert, bis er eine Toleranz entwickelt. Sind Betroffene in handwerklichen Berufen tätig, in denen sie viel mit kleinen Fasern oder Partikeln wie Holzspänen in Kontakt kommen, empfehlen Mediziner mit Atemschutzmaske zu arbeiten.

Generell sollten Asthmatiker versuchen, anfallauslösende Stoffe zu vermeiden, damit es erst gar nicht zur Atemnot kommt. Mindestens genauso essenziell sind aber entsprechende Schulungen. Denn viele Asthmatiker wenden ihre Inhalatoren falsch an – und dosieren so versehentlich über. Oder sie inhalieren nicht tief genug und die Lungen entspannen sich trotz Inhalator nicht.

Welche anderen Lungen- und Atemwegserkrankungen gibt es?

Neben Atemwegserkrankungen sind auch Lungenkrankheiten wie die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD in Deutschland weit verbreitet. Die Ursache für COPD ist eine Entzündung, wobei sich hinter dem Begriff eine ganze Gruppe von Krankheiten versteckt. Hier unterscheiden wir Ärzte zwischen akuten Lungenkrankheiten aufgrund von Infektionen und chronischen Lungenkrankheiten wie der COPD bei Rauchern. Im Jahr 2010 waren schätzungsweise 6,8 Millionen Menschen von ihr betroffen.

Wie beim Asthma gibt es auch bei dieser Krankheit unterschiedliche Schweregrade. Die leichteste Form der COPD äußert sich durch Husten und Auswurf. Bei mittelgradigen und schweren Verlaufsformen der COPD verordnen Ärzte Medikamente, die die Bronchien erweitern und die Entzündung der Lunge bekämpfen.

Menschen, die von Asthma oder COPD betroffen sind, tut es gut, nicht mit luftverschmutzenden Stoffen in Kontakt zu kommen. Deshalb empfehlen ihnen Ärzte häufig einen Aufenthalt im Heilklima.

Heilklima – was ist das eigentlich?

Heilklima ist nicht gleich Heilklima. Das Klima an der See unterscheidet sich deutlich von dem in den insgesamt elf bayerischen heilklimatischen Kurorten wie in Bad Hindelang oder Garmisch-Partenkirchen. Auch das Klima an der See ist in der Regel pollenarm – je nachdem, woher der Wind kommt. Aufgrund des Windes an der See sind Asthmatiker aber stärkeren Belastungen ausgesetzt. Das vertragen nicht alle.

Deshalb ist die Luft in den bayerischen heilklimatischen Kurorten so wohltuend:

  • Wenige allergene Stoffe. In der Höhe befinden sich nicht so viele Pollen in der Luft. Auch die Zahl der Milben nimmt ab. Eine Wohltat für Allergiker!
  • Geringe Feinstaub- und Schmutzbelastung. Im Gegensatz zur Luft in der Stadt ist die in den heilklimatischen Kurorten nicht durch Auspuffgase, Straßenstaub oder Kohlenstaub belastet, sondern klar und rein.
  • Mildes Klima. Das Klima in den heilklimatischen Kurorten ist deutlich ausgeglichener als das an der See. Es reizt die Lungen nur leicht und ist deshalb auch für Menschen mit empfindlicheren Lungen geeignet.

Orte, die als heilklimatischer Kurort anerkannt werden wollen, müssen ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllen, zum Beispiel eine besonders gute Luftqualität und ein spezielles Bioklima. Die Qualität der Luft wird durch regelmäßige Luftbelastungsmessungen und auf Basis klarer, objektiver Messgrundlagen sichergestellt.

Mit Heilklima gegen Lungen- und Atemwegserkrankungen

Menschen mit Asthma oder COPD fühlen sich in den bayerischen heilklimatischen Kurorten besonders wohl. Denn hier atmen sie bessere Luft ein – und bekommen deshalb besser Luft. Weil gleichzeitig die Belastungen durch Feinstaub und Pollen geringer ist, erholt sich die Lunge.

In den Kurorten lernen Patienten mit Asthma oder COPD auch Inhalationstechniken und -praktiken. Zudem gehen sie gemeinsam mit den Ärzten und Therapeuten auf Ursachenforschung. Wenn sie wissen, was ihre Beschwerden genau auslöst, wie ihr Asthmaspray richtig funktioniert oder sie eine Inhalationslösung herstellen, die sie selbst zuhause anwenden, verbessern sie langfristig ihre Symptome. Ergänzend zum Aufenthalt im Heilklima verbessern Patienten ihre Beschwerden durch Anwendungen mit dem natürlichen Heilmittel Sole.

So gut tut das Heilklima Lunge und Atemwegen

Schon nach wenigen Tagen im Heilklima spüren viele Menschen, die an Asthma oder COPD leiden, eine Veränderung: Die frische Luft reinigt die Lunge und sorgt dafür, dass ihre Atemwege besser durchblutet werden. Deshalb fällt Asthmatikern das Durchatmen wieder leichter. Die Patienten nehmen mehr Sauerstoff auf und stabilisieren damit ihr Herz-Kreislauf-System. Eine Besserung spüren vor allem Patienten mit allergischem Asthma. Sind sie nicht von mit allergenen Stoffen belasteter Luft umgeben, verschwinden ihre Beschwerden innerhalb kurzer Zeit.

Auch Menschen mit COPD spüren eine Linderung: Husten und Auswurf nehmen ab – die Lunge kann sich erholen. Generell heilen Entzündungen besser aus, die die Ursache von COPD sind. Wie schnell ein Patient einen Unterschied spürt, hängt jedoch immer vom Schweregrad ab und davon, wie lange er schon erkrankt ist.

Fazit: Gönnen Sie Lungen und Atemwegen eine Kur!

Ein Kuraufenthalt ist in jedem Fall die natürlichste Therapie für Menschen mit Atemwegserkrankungen. Denn durch einen Aufenthalt im Heilklima können sie oft auf Medikamente verzichten. Während der Kur erholt sich der Körper und spricht nach der Pause schneller auf die verordnete Medikation an.

Gleichzeitig bringt der Kuraufenthalt auch langfristig etwas: Atemtechniken oder Gymnastikübungen, die die Lungenfunktion verbessern, nehmen die Patienten mit nach Hause. Sie helfen dabei, auch im Alltag gut mit der Erkrankung klarzukommen – damit Menschen mit Atemwegserkrankungen wieder frei durchatmen.

Kommentare (3)

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  • Richard Friedel schrieb am 04.07.2018

    Bei Asthma gibt es ein fast unbekanntes "Ei des Columbus". Man drückt bewusst und kräftig die Lippen zusammen und erlebt den Rückgang der Anzeichen der Krankheit wie Pfeifen in der Lunge und die so verstörende Atemnot. Dieser Wirkung liegt die asiatische Medizin zugrunde mit den Nervendruckpunkten. Einige dieser Punkte werden bei Druck an einer Lippe getätigt und so die Bronchien entspannt. Noch überzeugender ist die Wirkung freilich, wenn man mit einem Finger in die Rinne (Philtrum) zwischen Nase und Oberlippe drückt Also drückt man beharrlich die Lippen zusammen und übt. Ich hatte chronisches Asthma. Es verschwand mit der Lippenübung, obschon die Symptome in der Pollenzeit sehr belastend waren. Wichtig ist die Nasenatmung in der Nacht. Asthmamedikamente sollte man absetzen: Arzt fragen.

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  • Richard Friedel schrieb am 27.12.2018

    Handkraftübung gegen Asthma. 1) Man ballt bewusst die Fäuste und merkt die Entspannung der Bronchien mit Befreiung der Atmung. 2) Man macht das zur Gewohnheit und wird von Asthma befreit. 3) Bauchatmung und Nachtruhe mit geschlossenem Mund sind wichtig. Eine Suche im Netz (Asthma + Mudra) zeigt die große Bedeutung der Handbewegung Handhaltung in der Religion und Heilkunst. Das Falten der Hände beim Gebet hat auch die Wirkung bei Asthma

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  • Richard Friedel schrieb am 25.01.2019

    Die Wechselatmung aus dem Yoga ist bei Asthma sehr wirksam. Man schließt die Nasenlöcher abwechselnd mit Daumen und Finger einer Hand. Das Berühren der Haut mit den Fingern entspannt die Bronchien durch Akupressur. Die Geschichte reimt sich also gut zusammen. 1) Asthma kommt oft mit Mundatmung ohne eigenes Zusammendrücken der schlaffen untätigen Lippen als "Selbstakupressur" wie bei Nasenatmung. 2) Man sollte von daher bewusst und aufmerksam kräftig durch die Nase Luftholen. Bauchatmung und Schlafen mit geschlossenem Mund ist auch wichtig. Die Erklärung der Wechselatmung in der Yogafachwelt ist völlig anders. Akupressur ist nicht erwähnt.

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Dr. Alex

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Dr. med. Christian Alex

Zusätzlich zu seiner praktischen Arbeit als Arzt setzt sich der dreifache Familienvater seit drei Jahrzehnten auch auf politischer Ebene als Experte für Gesundheitsthemen ein. Besonders interessiert sich der Mediziner für ortsgebundene Heilmittel und Naturheilverfahren. Privat unternimmt er sehr viel, um körperlich fit zu bleiben und seine Freizeitaktivitäten auch in den nächsten Jahren mit Freude ausüben zu können: Er betreibt Gesundheitssport, fährt Fahrrad und Ski – und liebt es generell, sich in der schönen bayerischen Natur zu bewegen.

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